Ökonomie der kostenfreien Dinge
Inmitten des Gewusel um immer mehr Produktion, Besitz und Profit hat gestern vor 35 Jahren ein Pflänzchen das Licht der Welt erblickt, das sich vehement gegen die Inbesitznahme durch Einzelne stemmt - das Linux Betriebssystem wurde am 25. August 1991 von Linus Torvalds in der Newsgroup comp.os.minix mit einem "Hello World" als freies Betriebssystem ankündigt. Aus dem Pflänzchen ist inzwischen eine wichtige Komponente des Internets geworden.
Es entstand aus Richard Stallmans GNU-Projekt, das seit 1983 freie Software für Compiler, Shell und Werkzeuge sammelte und Linus Torvalds Kernel, zuständig für die Zuweisung von Prozessorzeit und Speicher, die Kommunikation zwischen Hardware und Programmen. Alle Komponenten sind offen einsehbar und werden gemeinsam mit allen Interessierten begutachtet, verworfen, verbessert und am Ende in die aktuelle Version aufgenommen.
Alles ist eine Datei
Nach dieser Maxime sind (fast) alle Einstellungen in den Konfigurationsdateien als Textdatei lesbar und durch die Nutzer anpassbar. Auch Updates sind dann keine Naturereignisse, die über den Nutzer hereinbrechen, sondern sie werden angekündigt, sind einstellbar und auswählbar. Auch die gewünschten Pakete sind auswählbar, so dass man sich ein System nach den eigenen Wünschen zusammenstellen kann.
Ich bin, weil wir sind
... ist eine der Übersetzungen des südafrikanischen Bantu-Wortes "Ubuntu", die am weitesten verbreitete Linux Desktop-Distribution. Es wird auch mit "Menschlichkeit" oder "Gemeinsinn" übersetzt und legt den Grundstein für einen möglichen Postkapitalismus. Alle Pakete sind Gemeineigentum und frei zum Nutzen und zum Verändern. Im Gegensatz zu materiellen Produkten oder Produktionsmitteln wird Software durch das Nutzen und Kopieren nicht minderwertiger, sondern sogar noch besser, da sie mehr und in neuen Zusammenhängen getestet wird.
Generative KI pervertiert diese Idee
Man ist auf dem Holzweg, wenn man annimmt, dass die aktuell durch Big-Tech angebotenen KI-Systeme uns allen in einem ähnlichen Modell das Wissen der Welt kostenfrei zur Verfügung stellen. Im Gegenteil:
- Erstens bleiben die KI Systeme nicht kostenfrei, Werbung wird bereits eingeblendet.
- Wir haben keinen Einfluss und erhalten keine Kenntnis mit welchen Daten und Absichten die Systeme gefüttert wurden.
- Wir selbst sind die Versuchskaninchen, die diese Systeme testen sollen.
- Jeglichen Mehrwert stecken die Big Tech Konzerne ein.
Gegen die kapitalistische Ausbeutung mag eine freie Software wie Linux ein Rettungsanker sein, besiegen kann ein freies System Big Tech in unserem Wirtschaftssystem nicht. Deshalb musste auch die freie Linux GNU-Lizenz gegen Versuche von privatisierter Nutzung geschützt werden. Wir erinnern uns, dass Google sein Handy Betriebssystem Android auf einem modifizierten Linux-Kernel entwickelt hat und damit Milliarden verdient. Mit der erweiterten Copyleft-Lizenz GNU GPL soll so ein Missbrauch für Big Tech mindestens zu finanziellen Einbußen führen.
Feiern wir den 35. Geburtstag dieses inzwischen ausgewachsenen Pinguins in dem wir es bei jeder Gelegenheit und Anwendung nutzen - es ist wie ein Schweizer Taschenmesser und genügsam, so dass es auch auf alter Hardware gut leben kann ...
Mehr dazu bei https://www.jungewelt.de/artikel/528907.software-happy-birthday-tux.html
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Erstellt: 2026-08-26 08:16:50
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