Es gibt noch vernünftige Stimmen
Hatten wir vor 2 Tagen an den Spruch von Helmut Schmidt "Lieber 1000 Stunden verhandeln als 1 Stunde Krieg führen" erinnert, als wir über den Obersten Soldat der deutschen Luftwaffe berichten mussten, der "noch heute Nacht" bereit sei gegen Russland zu kämpfen. So können wir - auch wenn wir in dessen Aussage eine große Gefahr sehen - sagen, dass es auch andere Einschätzungen der (militärische) Lage gibt.
So gibt es auf Telepolis ein Interview mit dem Bundeswehr Ex-Oberst Wolfgang Richter, der erklärt, warum Europas Militär Russland konventionell deutlich überlegen ist. Deshalb wäre es absolut unlogisch - und zwar militärisch, wie auch wirtschaftlich - aus russischer Sicht einen Krieg gegen ein NATO Land zu beginnen. Das gilt auch, wenn die massive militärische Unterstützung der NATO Staaten für die Ukraine Russland auf das höchste reizt. Diese Unterstützung bei der Waffenlieferung, Logistik und Zielbestimmung weit im Hinterland Russlands läuft seit Jahren am Rande des völkerrechtlich erlaubten, um nicht Kriegspartei zu werden. Wir erinnern uns an die unsägliche Taurus-Debatte.
Eine Aufstellung der gegenseitigen militärischen Fähigkeiten zeigt die Seite www.rnd.de/politik/nato-gegen-russland aus dem Januar 26, die leider unter dem angegeben Link nicht mehr zu finden ist. Aber genau dieses Ungleichgewicht zugunsten der NATO Staaten nennt auch Wolfgang Richter, Oberst a. D., früherer Sicherheitsexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und heute laut Telepolis.de Associate Fellow am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik (GCSP). Er hält viele der aktuell kursierenden Bedrohungsszenarien für überzogen.
Der einzige "Trumpf" Russlands wären die Atomraketen, deren Einsatz aus Vernunftgründen zu unterbleiben hat, wenn man nicht die Menschheit vernichten möchte. Aus diesem Wissen reagiert der Westen auf Drohungen Russland in dieser Richtung ohne Aufregung. Es wäre aber an der Zeit wieder zu einer Politik der Verhandlungen und der Rüstungskontrolle und Abrüstung zurückzukehren. Mit dieser Politik ist der Westen in den 80-iger und dem Beginn der 90-iger Jahre auch wirtschaftlich erfolgreich voran gekommen.
Dass es sich bei seiner Einschätzung nicht um eine Einzelmeinung handelt, zeigen ähnliche Forderungen z.B. von
- Dr. Michael von der Schulenburg (Diplomat, ehem. Assistant General Secretary des UN Generalsekretärs), hier Link zu seiner Rede in Berlin https://www.a-fsa.de/d/3xE
- Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz (Autorin, Publizistin), hier der Link zu ihrer Rede in Berlin https://www.a-fsa.de/d/3xz
- Dr. Sahra Wagenknecht (BSW), hier der Link zu ihrer Rede in Berlin https://www.a-fsa.de/d/3xC
Auf jeden Fall sind Wolfgang Richters Argumente wichtig und lesenswert, genau wie die der gerade Genannten. In der öffentlichen Diskussion wird dagegen nur noch nach Kriegstüchtigkeit und neuerdings nach mehr Schutzräumen und Bunkern gerufen. Mit Aufrüstung und insbesondere dem Bunkerbau hat ein gewisser Enver Hodscha schon sein Heimatland in den Niedergang gerissen, wie der Autor sich vor 3 Monaten dort anschauen konnte ...
Mehr dazu bei https://www.telepolis.de/article/Militaerexperte-sicher-Russischer-Angriff-auf-die-Nato-ist-nicht-plausibel-11330829.html
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Erstellt: 2026-06-23 08:17:00
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